Es wuselt im Neubau des Kantonsspitals Baden. Elektriker, Installateure, Techniker – unzählige Arbeiter sind in den weiten Gängen unterwegs. Es wird geschraubt, gesägt, gehämmert. Der Innenausbau befindet sich in der entscheidenden Phase. Mittendrin Marco Lüthi. Der Projektingenieur Spitalbau bei Hilti Schweiz schaut im Erdgeschoss prüfend an die Decke. Zustimmend nickt er. Das, was er da oben sieht, gefällt ihm – aus gutem Grund: Die Mehrfachkonsolen des Befestigungssystems, die Lüthi genau begutachtet, hat es zuvor in dieser Form nicht gegeben. Sie sind einzigartig. «Extra für unser Leuchtturmprojekt KSB-Neubau wurde von Hilti Schweiz gemeinsam mit Partnern und Handwerkern dieses Konzept entwickelt», sagt der Projektingenieur. Es handelt sich dabei um ein Halterungssystem, das von allen Gewerken – Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär und Elektro – genutzt wird.
Gemeinschaftliches Konzept gegen undurchschaubares Leitungslabyrinth
Doch was soll daran besonders sein? Für die Antwort bedarf es eines Blicks in die gängige Praxis im Geschossbau. Bisher zeichnet und montiert jedes Gewerk seine eigenen Befestigungen und Unterkonstruktionen. Ob Heizung, Sanitär, Lüftung, Klima oder Elektro – die am Bau beteiligten Gebäudetechnik-Unternehmen arbeiten in der Regel jedes für sich. Etwa beim Verlegen von Rohren und Leitungen an den Stockwerksdecken. Diese isolierte Vorgehensweise führt jedoch zu ineffizienten Prozessen, die hohe Kosten verursachen. Sie sorgen für ein Bauobjekt, das mehr Löcher hat als ein Emmentaler Käse und für ein fast undurchschaubares Labyrinth aus Leitungen und Rohren. Im rund 580 Millionen Franken teuren Neubau des KSB wurde daher nach einem gemeinschaftlichen Ansatz gesucht.
So hat Hilti in Zusammenarbeit mit dem KSB sowie den beteiligten Planern, Ingenieuren und ausführenden Unternehmen speziell für das neue Spital eine koordinierte, gewerkeübergreifende Befestigungstechnik entwickelt, mit der alle Firmen von Beginn an arbeiten konnten. Entstanden ist ein einzigartiges System, das künftig in anderen hochkomplexen Bauprojekten zum Tragen kommen könnte, wo ebenfalls hohe technische Anforderungen gerade im Hinblick auf Erdbebensicherheit und Brandschutz gefragt sind.
Grosses Einsparpotenzial in allen Bereichen
Aber wie sieht dieses innovative Befestigungskonzept konkret aus? Anstatt einzelner Konsolen, die jedes Gewerk an den Decken befestigt, wurde im Neubau des KSB eine Mehrfachkonsole entwickelt und montiert. An neuralgischen Punkten wurden überdies Brandschutzhülsen verwendet. Das Ergebnis: Am Ende gab es rund 60 Prozent weniger Befestigungspunkte (Bohrlöcher), ausserdem wurden knapp 50 Prozent weniger Schnitte und Artikel verwendet als bei vergleichbaren Neubauten. Und: Durch die Vorfabrikation benötigten die Gebäudetechnik-Gewerke knapp 50 Prozent weniger Zeit für die Installation, da sie lediglich die Rohrleitungen in die vorbereiteten Schellen einsetzen mussten – ohne eigene Konsolen zu verbauen. Nebenbei wurden die Einsatzzeiten von Hebebühnen, Leitern oder Gerüsten und somit auch das Verletzungsrisiko für die Bauarbeiter verringert.
Auch in Sachen Nachhaltigkeit kann sich die Bilanz des neuen Konzepts sehen lassen: Weil durch die gemeinsame Lösung weniger Material und Arbeitszeit aufgebracht werden musste, konnten im Vergleich zu konventionellen Befestigungsmodellen fast 50 Prozent CO₂ eingespart werden.
«Wir erzielen für den Bauherrn KSB nicht nur eine technisch und wirtschaftlich ausgeklügelte Lösung, sondern auch die sicherste und somit nachhaltigste», betont Marco Lüthi von Hilti. Apropos Sicherheitsaspekte: Die Erdbebensicherheit und der Brandschutz standen bei der Planung ebenfalls im Vordergrund, um die Funktionalität des Gebäudes im Ernstfall zu gewährleisten. Zur Erinnerung: Schweizer Spitäler werden stets nach BWK III (Bauwerksklasse 3, höchste Erdbebenertüchtigung) eingestuft, um die kritische Infrastruktur im Notfall aufrechterhalten zu können.
All das ist ganz im Sinne von KSB-CEO Adrian Schmitter: «Wir sind stolz und erfreut, dass unser Neubau mit dieser Befestigungstechnik eine Vorreiterrolle in der Gebäudetechnik einnimmt», sagt er und fügt an: «Es ist zugleich auch ein Beleg dafür, dass in unserem Neubau Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen und dass wir den Fokus stets auf praktische und effiziente Lösungen gerichtet haben.» Eine Einschätzung, die Projektingenieur Marco Lüthi freuen dürfte – mindestens so sehr wie sein Blick an die Geschossdecke im Neubau des Kantonsspitals Baden.
